18 December 2011

Weihnachtsmann - mit juristischen Problemen


Lieber guter Weihnachtsmann,
jetzt ist's soweit, jetzt bist du dran.
Mein Chef ist nämlich Rechtsanwalt.
Der klagt dich an, der stellt dich kalt.
Schon seit vielen hundert Jahren,
bist du nun durch das Land gefahren,
ohne Nummernschild und Licht.
Auch TÜV und ASU gab es nicht.
Dein Schlitten eignet sich nur schwer,
zur Teilnahme am Luftverkehr.
Es wird vor Gericht zu klären sein:
Besitzt du 'nen Pilotenschein?
Durch den Kamin ins Haus zu kommen,
ist rein rechtlich strenggenommen
Hausfriedensbruch - Einbruch sogar.
Das gibt Gefängnis, das ist klar.
Und stiehlst du nicht bei den Besuchern,
von fremden Tellern Obst und Kuchen?
Das wird bestraft, das muß man ahnden.
Die Polizei lässt nach dir fahnden.
Es ist auch allgemein bekannt,
du kommst gar nicht aus diesem Land.
Wie man so hört, steht wohl dein Haus
am Nordpol, also sieht es aus,
als kämmst du nicht aus der EU.
Das kommt zur Klageschrift dazu!
Hier kommt das Deutsche Recht zum Tragen.
Ein jeder Richter wird sich fragen,
ob deine Arbeit rechtens ist,
weil du ohne Erlaubnis bist.
Der Engel, der dich stets begleitet,
ist minderjährig und bereitet
uns daher wirklich Kopfzerbrechen.
Das Jugendamt will mit dir sprechen!
Jetzt kommen wir zu ernsten Sachen.
Wir finden es gar nicht zum Lachen,
daß Kindern du mit Schläge drohst.
darüber ist mein Chef erbost.
Nötigung heißt das Vergehen
und wird bestraft, das wirst du sehen,
mit Freiheitsentzug von ein paar Jahren.
Aus ist's bald mit dem Schlittenfahren.
Das Handwerk ist dir bald gelegt,
es sei denn dieser Brief bewegt dich,
die Kanzlei reich zu beschenken.
Dann wird mein Chef es überdenken.

nachdenken und schmunzelen: Mehr Fröhlichkeit (nicht Albernheit)

nachdenken und schmunzelen: Mehr Fröhlichkeit (nicht Albernheit): O du fröhliche Der Karpfen kocht, der Truthahn brät, man sitzt im engsten Kreise und singt vere...

Jetroffen ud Glück jehabt!


Nicht mehr gefragt!

Ick jing Heiligabend, so eben nach acht,
als alle schon lange Bescherung jemacht,
allein durch die Strassen, die tief eingeschneit,
da hab' ick zu meiner Betroffenheit,
so wahr ick lebe, det Christkind gesehen,
det kam aus der Kneipe und konnte kaum stehen.
Een freundlicher Wirt hat et zu sich jenommen,
sonst waeret wahrscheinlich noch umjekommen.

Et trug een Beutel mit allerlei Jaben,
doch die wollt' heute keen Aas nun mehr haben.
Een Buch, een Paar Socken, 'ne Pudelmütze,
'n Paar Latschen, Bonbons, det war nischt mehr nütze.
Da zogen de Menschen bloß janz saure Mienen.
Die wolln heute Bügel- und Waschmaschinen,
und Plattenspieler, Autos und Nerze,
die pfeifen uff Tannboom, die pfeifen uff Kerze.
So jing det nu schon die kleensten Orte
und überall schmiss man de Tür und de Pforte
dem Christkind vor de Neese zu,
det fror uff der Strasse und dachte: "Wozu?
Wat ick zu bieten hab, wolln die doch nie.
Det Fest jehoert heute der Industrie!"

So fand et der Wirt von de "Joldene Zehn".
Der dachte: "Det kann einem das Herz umdrehn",
und lud denn det Christkind zu sich in sein Haus
und jab erstmal een ordlichen Jluepunch aus.
Er sagte menschlich: "Mein Kleener, nu waerm dich,
wer soll det mit ansehn, det is ja erbaermlich!
Die Christenheit heute hat ooch eenen Rappel,
die hustet uff deine Nuesse und Appel.
Die Joeren, die kleenen, sind ooch schon janz hektisch,
die wolln eene Eisenbahn, - aber elektrisch!
Und jibste die eene zum Selbstuffdrehn,
dann ziehn se dir'n Flunsch und lassen se stehn.
Et is durch die Bank vajessen bei allen
von wegen 'Den Menschen ein Wohlgefallen'."
Da nickte det Christkind und sagte: "Det stimmt!"
Nu jab ihm der Wirt noch een Jluehpunsch mit Zimt.
Da lachte et jluecklich: "Ick kriech warme Beene.
Nu latsch ick so langsam zum Himmel zurueck.
Ick dank Dir, nu war ick doch nich so alleene,
da hatt' ick bei all meinem Pech doch noch Jlueck.
Frohe Weihnacht!"


Robert T. Odemann (1904-1985)

Mehr Fröhlichkeit (nicht Albernheit)

O du fröhliche
Der Karpfen kocht, der Truthahn brät,
man sitzt im engsten Kreise
und singt vereint den ersten Vers
manch wohlvertrauter Weise.

Zum Beispiel „Oh Du Fröhliche“,
vom „Baum mit grünen Blättern“
und aus so manchem Augenpaar
sieht man die Träne klettern.

Die Traurigkeit am Weihnachtsbaum
ist völlig unverständlich:
Man sollte lachen, fröhlich sein,
den er erschien doch endlich!

Zu Ostern - da wird jubiliert,
manch buntes Ei erworben!
Da lacht man gern - dabei ist ER
erst vorgestern gestorben.

Heinz Erhardt (1909-1979)

27 May 2011

Du weisst nicht, wie die Blumen duften,
weil du nur Arbeit kennst und schuften.
Und so vergehn die schönsten Jahre
und plötzlich liegst du auf der Bahre,
hinter dir da grinst der Tod:
"KAPUTT GESCHUFTET, du Idiot!"

jeder stirbt seinen eigenen Tod

jeder stirbt seinen eigenen Tod

1. Der Gärtner beißt ins Gras...
2. Der Maurer springt von der Schippe...
3. Der Kellner gibt den Löffel ab...
4. Der Turner verreckt...
5. Den Elektriker trifft der Schlag...
6. Der Pfarrer segnet das Zeitliche...
7. Der Spachtelfabrikant kratzt ab...
8. Der Schaffner liegt in den letzten Zügen...
9. Der Beamte entschläft sanft...
10. Der Religiöse muss dran glauben...
11. Der Zahnarzt hinterlässt eine schmerzliche Lücke...
12. Der Gemüsehändler schaut sich die Radieschen von unten an...
13. Der Fechter springt über die Klinge...
14. Die Putzfrau kehrt nie wieder...
15. Der Anwalt steht vor dem jüngsten Gericht...
16. Der Autohändler kommt unter die Räder...
17. Der Kfz-Mechaniker schmiert ab...
18. Der Förster geht in die ewigen Jagdgründe ein...
19. Der Gynäkologe scheidet dahin...
20. Der Schornsteinfeger erbleicht...
21. Der Rabbi geht über den Jordan...
22. Der Optiker schließt für immer die Augen...
23. Der Eremit wird heim gerufen...
24. Der Tenor hört die Englein singen...
25. Der Lampenhändler geht zu den Lichtern...
26. Der Marathonläufer wird mit den Füßen zuerst herausgetragen....
27. Der Spanner ist weg vom Fenster...
28. Ein französischer Bäcker crêpiert

13 March 2011

AUS EINER TERRINE GELÖFFELT

AIs einer Terrine gelöffelt!
Am vergangenen Samstag war ich bei dem Trubel tatsächlich in der Stadt -  Fußballspiel, Karneval und CeBIT-Messe. Und zum Mittag wollte ich oben in dem einen Kaufhaus nur schnell mit einem Teller Eintopf meinen kleinen Hunger stillen. Ich finde einen freien Tisch, auf dem ich das Tablett mit der Terrine abstellen kann. Die Suppe duftet schon verführerisch. Ich hänge meine Jacke über den Stuhl, stelle meine Handtasche neben genau diesen Stuhl, will mich setzen, da bemerke ich: Besteck vergessen. Puh. Also noch mal in den Servicebereich und einen Löffel holen.
Als ich zum Tisch zurückkehrte, saß da doch tatsächlich einer jener Afrikaner, schwarzes Kraushaar, bunt gekleidet wie ein Paradiesvogel - und löffelte die Suppe.
Zuerst schaute ich ganz verdutzt; denn aber besann ich mich, lächelte den Afrikaner an und begann, meinen Löffel zusammen mit dem seinen in die Terrine zu tauchen. Wir aßen gemeinsam. Nach der Mahlzeit, die Schüssel war leer - unterhalten konnten wir uns nicht, denn der Afrikaner lebte in einer Sprache von der ich gar nichts verstand – der aber stand auf – ging zu dem Tresen – kam mit zwei Tassen Kaffee zurück und stellte eine vor mich auf – ganz klare Sache, er spendierte mir diese eine Tasse. Als er ausgetrunken hatte, verabschiedete er sich höflich mit einer eindeutigen und freundlichen Geste.
Ich wollte nun aber auch gehen und griff neben meinen Stuhl zur Tasche – nichts da! - Also doch ein gemeiner, hinterhältiger Spitzbube. Ich hätte es mir doch gleich denken können - Gemeinheit! Enttäuscht und vor Wut rotem Gesicht schaue ich mich um. Er ist spurlos verschwunden.
Doch da am Nachbartisch, was entdecke ich da? Der Tisch ist unbesetzt, Eine Terrine mit Suppe, inzwischen kalt geworden. An der Lehne des Stuhls hängt meine Jacke und neben dem Stuhl steht meine Handtasche.

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Anmerkung:
Du wirst vielleicht staunen: Diese Geschichte gibt es scheinbar noch öfter - sie heißt auch "Ein Teller Suppe" und hat wieder einen anderen Autoren
Ich hörte sie innerhalb von wenigen Tagen 2x leicht variiert in dieser Fassung, - also inzwischen mündlich tradiert. Und weil ich diesen zwei Varianten (die eine wurde übrigens in die Markthalle Hannovers gelegt!) als merkwürdiges Zusammentreffen empfand, habe ich nach meinem Aufschreiben einfach mal Stichworte "gegoogelt".
Ich fand sogar einen Hinweis auf einen neueren Film!
Ich fand den Text zu meiner mündlich gehörten Version!
Und heute vormittag berichtet mir ein Kollege von einer Inge Meysel-Verfilmung einer ganz ähnlichen Story (da komme ich beim Suchen aber noch nicht weiter!)

Ein Tipp eröffnet noch eine ganz andere Sichtweise...
Ich empfehle darum folgenden LINK - er lohnt!:
http://www.fri-tic.ch/psfiles/1975/spaghetti_text.pdf